Rückmeldungen - Erfahrungen
 
Patienten berichten:
Hippotherapie - eine Mutter erzählt!
Liebe Leserinnen und Leser! Anfang letzten Jahres hatte ich noch überhaupt keine Vorstellung, was Hippotherapie sein soll, bzw. was man da so alles macht. Ich wurde von Frau Angelika Goldbrunner angesprochen, sie ist Mitorganisatorin vom Kaminkehrerfest in Piding zugunsten behinderter Kinder, ob sie unserem damals vier jährigen Sohn Simon, der an Cerebralparese leidet, nicht Reitstunden in Form von „Hippotherapie" spenden dürfte. Sie hat die Hippotherapie kennen gelernt und sei überzeugt davon, dass diese Therapieform für Simon besonders gut wäre, sagte sie! Ich war am Anfang komplett dagegen und wollte sogar die Spende weiterschenken....

Ende April schaute ich mir das Ganze dann doch mal an und war nach der ersten Stunde noch ziemlich skeptisch, ob die Hippotherapie wirklich was bewirkt. Doch schon der zweite Termin veränderte das Sprachbild meines Sohnes.
Simon saß in dieser 20 Minuten-Einheit auf dem Pferd und erzählte unserer Hippotherapeutin Andrea Bethke die schönsten Geschichten. Als wir dann nach Hause kamen ging es weiter, sodass unser Papa bald schon sagte - na Simon, warst du wieder bei der Hippotherapie- man hört`s! Dann kam noch ein gravierender Tag, der mir zeigte, dass nicht nur unsere Familie merkte, dass die Hippotherapie was bringt!  Simon hatte Anfang Juli einen Vorstellungstermin in Vogtareuth, bei dem dann für Oktober eine Botox-Behandlung für seine Beine geplant und verordnet wurde. Als wir dann im Oktober nüchtern in Vogtareuth zu diesem Termin erschienen, um die Injektion vornehmen zu lassen, entschied sich der behandelnde Arzt plötzlich gegen die Botox-Behandlung, obwohl er bereits das Medikament aufgezogen hatte und es somit vernichten musste.
Die Muskulatur unseres Sohnes war so viel besser geworden, dass eine Behandlung zu dieser Zeit nicht mehr notwendig war -
Bis heute noch nicht!

Selber kennen wir es in und nach den Schulferien, wo keine Hippotherapie stattfindet, am meisten, wie Simon von dieser Therapieform profitiert. Sein Gangbild verschlechtert sich in der Hippo-Therapie „freien Zeit" erheblich und vor allem im Rumpf ist er dann bei weitem nicht mehr so stabil. Eine halbe Stunde Aufwand pro Woche bewirkt also vieles!!!

Schade ist nur, dass die Hippotherapie, die den Kindern so viel bringt, trotzdem von den Krankenkassen noch nicht als Therapiemaßnahme anerkannt wird. Vielen Eltern ist es finanziell nicht möglich, diese Therapie, die den kranken Kindern neben dem medizinischen Erfolg auch eine halbe Stunde Spass bringt, anzutreten.

MfG Carola F., Mutter von Simon                          Dieser Artikel ist auch im Pidinger Gemeindereport vom Feb. 2015 erschienen

 
Was sagen Ärzte zur Hippotherapie!

Zitate aus Vorträgen:

Frau Dr. Papst, Spezialistin für MS-Patienten (Amstetten, Österreich)

* Die Hippotherapie ist eine ideale
Übertragung der Bewegungsimpulse des Pferderückens auf spastische verspannte  
  Muskelgruppen der Beckenregion und des Stammes mit st
ändigem Wechsel von Anspannung und Entspannung
* 3-dimensionale Bewegung ist optimal f
ür MS Patienten
* Hippotherapie bei MS verbessert die Stammataxi
+ große Muskelgruppen werden gelockert und stimuliert
* Koordination und Gleichgewicht, sowie die Gehf
ähigkeit werden verbessert.
 

Hippotherapie aus urologischer Sicht:
Prof.Dr. Mayr, Kinderchirurg i. d. Univ. Klinik Graz, dann in Basel (Schweiz)

Hippotherapie stellt wie andere Therapieformen auch aus urologischer Sicht eine w
ünschenswerte Behandlung dar.
Diese Therapie bereitet r
ückenmarksfehlgebildeten Kindern meist sehr viel Freude und hilft ihnen auch ihre vielfältigen
Lebensprobleme besser zu meistern. F
ür das Spina bifida Kind stellt das Pferd einen wertvollen Gefährten dar, und so kann Hippotherapie über viele Probleme hinweghelfen.
Hippotherapie bereitet dem Kind meist sehr gro
ße Freude, allein das sollte Grund genug sein, den Kindern diese Möglichkeit
anbieten zu k
önnen. Auch das Selbstwertgefühl der Kinder steigt, wenn ihnen das Reiten gelingt, und besonders unter
Inkontinenz leidende Kinder ben
ötigen selbst kleinste Erfolgserlebnisse, um wieder neuen Mut zu schöpfen.

W
ährend der Hippotherapie werden auch häufig zu sehende Adduktorenspastizitäten gelockert, zusammen mit der eventuell
spastischen Beckenbodenmuskulatur, damit wird ein g
ünstiger Effekt auf einen erhöhten Blasenauslassswiderstand erzielt.
Weiteres lassen sich unter Umst
änden durch die komplexen Reitbewegungen Restaktivitäten in der Muskulatur des
Beckenbodens f
ördern, und damit eine ansonsten schwer therapierbare Muskelgruppen ansprechen.
Es handelt sich bei den L
ähmungen der MMC-Kindern und Spinat bifida Kindern je meist um inkomplette Lähmungen.
Auch die Bauch-und R
ückenmuskulatur lässt sich durch Hippotherapie beeinflussen, mit günstigem Einfluss auf die meist
ebenfalls gest
örte Stuhlentleerung. Eine eventuell vorhandene Restsensibilität im Beckenboden- und Dammbereich und Genitalbereich kann durch keine andere Therapieform annähernd intensiv gefördert werden, da diese Stellen die "Hauptkontaktstellen" zum Pferd bilden.

Der Blasenentleerungsmuskel einer hypoaktiven Blase kann durch Vibrationseffekte beim Reiten vermehrt aktiviert werden.
Auch das Gef
ühl der Kinder für Bewegung im Raum, das bei Hydrocephalus Kindern mit Teilleistungsschwächen meist
gest
ört ist, wird speziell durch Hippotherapie günstig beeinflusst und damit kann das Kind auch andere komplexe
Bewegungen leichter erlernen.
Durch die Bewegungsm
öglichkeiten im Freien, erlernen diese meist nur teilleistungsschwachen Kinder für sie schwierige
Begriffe leichter. z. B. Was ist eine Diagonale? Da sie diese Begriffe erfahren k
önnen.
Aus Urologischer Sicht erscheint mir w
ünschenswert, dass vor Therapiebeginn die Blase bei gefährdeten Kindern entleert ist!